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Viel Luft nach oben – aber für die Linde hat es sich gelohnt

Manchmal gibt es Spiele, bei denen am Ende vor allem zählt, dass sie für einen guten Zweck stattgefunden haben. Das Testspiel der zweiten Mannschaft der HSV Rhein-Nette bei Grün-Weiß Mendig war definitiv so eines. Im Rahmen der Benefizveranstaltung zur Rettung der Linde in Mendig trat die HSV-Reserve am Sonntagnachmittag gegen die zweite Mannschaft der Gastgeber an. Und um es vorwegzunehmen: Die Linde zu retten war an diesem Nachmittag vermutlich die überzeugendste Leistung.

Sportlich setzte sich die HSV am Ende mit 31:24 (14:11) durch. Ein Ergebnis, das zunächst nach einem souveränen Testspielerfolg aussieht. Wer die 60 Minuten gesehen hatte, wusste allerdings: Das hätte wesentlich deutlicher ausfallen müssen. Möglichkeiten dazu waren jedenfalls reichlich vorhanden. Die Chancenverwertung bewegte sich jedoch zeitweise in einem Bereich, den man wenige Wochen vor Saisonbeginn lieber nicht genauer statistisch erfassen möchte. Zahlreiche Würfe fanden nicht den Weg ins Tor, wobei man fairerweise auch die solide Leistung der Mendiger Schlussmänner erwähnen muss, die ihren Anteil daran hatten, dass der Abstand lange überschaubar blieb.

Auch defensiv gab es wenig Anlass, sich zufrieden zurückzulehnen. Zu passiv, zu viele verlorene Zweikämpfe und vor allem fehlende Abstimmung – kurz gesagt: Von allem, was eine Abwehr nicht machen sollte, war etwas dabei.

Ganz aus dem Nichts kam das allerdings nicht: Gleich fünf Spieler waren neu mit dabei, die in der kommenden Saison voraussichtlich sowohl für die Erste als auch für die Zweite auflaufen werden. In dieser Konstellation hatte die Mannschaft bislang kaum gemeinsam auf der Platte gestanden – und das merkte man dem Zusammenspiel an diesem Nachmittag durchaus an. Laufwege, Absprachen und Automatismen passten noch nicht immer zusammen. Eine Erklärung also durchaus – eine Ausrede für alles aber sicherlich nicht.

Der schwer verletzte Spielertrainer Thomas Schulz musste sich das Ganze von der Seitenlinie anschauen. Dort bekam er neben der ausbaufähigen Chancenverwertung auch die eine oder andere defensive Unstimmigkeit aus nächster Nähe präsentiert. Vielleicht war es ganz gut, dass er verletzungsbedingt nicht eingreifen konnte – die Versuchung dürfte zwischenzeitlich durchaus vorhanden gewesen sein.

Trotz allem bekam die HSV das Spiel mit zunehmender Spielzeit besser in den Griff und setzte sich schließlich deutlicher ab. Am Ende stand mit 31:24 ein Sieg mit sieben Toren Unterschied auf der Anzeigetafel. Dass man auch an einem eher gebrauchten Nachmittag noch deutlich gewinnen kann, gehört dann wohl zu den positiven Erkenntnissen. Gleichzeitig dürfte allen Beteiligten klar sein, dass bis zum Saisonstart noch einiges an Arbeit wartet.

Eine besondere Geschichte schrieb dabei Mika Wissen. Noch in der vergangenen Saison lief er selbst für Grün-Weiß Mendig auf, in dieser Spielzeit trägt er das Trikot der HSV. Bei seiner Rückkehr an die alte Wirkungsstätte zeigte er sich mit sechs Treffern direkt treffsicher und gehörte damit zu den erfolgreichsten HSV-Schützen. Ausgerechnet gegen die ehemaligen Mannschaftskameraden – so kann man sich natürlich auch zurückmelden.

Unter dem Strich war es damit ein Testspiel, das seinen Zweck erfüllt hat. Die neu zusammengestellte Mannschaft konnte erstmals weitere gemeinsame Spielpraxis sammeln und bekam ziemlich deutlich aufgezeigt, an welchen Stellen in den kommenden Wochen noch gearbeitet werden muss. Viel wichtiger war an diesem Sonntag aber ohnehin der Anlass: Mit der Benefizveranstaltung wurde gemeinsam für den Erhalt der Linde gekämpft. Und wenn die Linde am Ende gerettet wird, kann man vielleicht sogar über den einen oder anderen Fehlwurf und das eine oder andere Loch in der Abwehr hinwegsehen.

Für die HSV spielten: Möhring (Tor), Gärtner (7), Wissen (6), Haferkorn (6), Schwarz (4), Weinschneider (2), Ljubijankic (2), Bous (2), Malte Hintz (1), Montebaur (1), Arne Hintz.

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AdrenalinPur Ausgabe IV - 15.04.2023