Was ist ein Punkt wert, wenn man zwischenzeitlich mit vier Toren führt – später aber selbst mit vier Toren zurückliegt? Diese Frage dürfte sich die zweite Herrenmannschaft der HSV Rhein-Nette nach dem 24:24 bei der HSG Horchheim/Lahnstein gestellt haben. Am Ende stand ein Unentschieden, das sich gleichzeitig nach einem verlorenen und einem gewonnenen Punkt anfühlte.
Dabei zeigte die Zwote insbesondere in der ersten Halbzeit eine beeindruckende Abwehrleistung. Kompakt, aufmerksam und mit guter Abstimmung stellte die HSV die Gastgeber immer wieder vor Probleme. Horchheim fand kaum Lösungen gegen den stabilen Deckungsverbund und kam in den ersten 30 Minuten gerade einmal auf acht Treffer.
Das Problem: Auf der anderen Seite des Feldes lief es kaum besser.
Denn während defensiv vieles passte, machte sich im Angriff ein Umstand bemerkbar, mit dem die Zwote nur selten konfrontiert wird: Harz. Da im Training ausschließlich ohne Haftmittel gespielt werden kann, sind Spiele mit Harz für die Mannschaft nach wie vor eine besondere Herausforderung. Und das war zu sehen. Mal rutschte ein Ball anders aus der Hand als gewohnt, mal prallte er ungewohnt zurück und bei den Abschlüssen produzierte nahezu jeder im Laufe des Abends seine persönliche „Fahrkarte“.
Trotzdem hatte die HSV die Partie zunächst im Griff. Aus einer 5:7-Führung wurde ein 5:9 – vier Tore Vorsprung und eine bis dahin nahezu makellose Abwehrleistung. Ganz konservieren ließ sich der Vorsprung allerdings nicht. Horchheim verkürzte bis zur Pause, sodass beim ungewöhnlich torarmen 8:9 die Seiten gewechselt wurden.
Nach der Pause änderte sich das Bild. Die Gastgeber kamen mit deutlich mehr Tempo aus der Kabine und fanden nun zunehmend Lösungen. Aus der knappen Partie entwickelte sich ein offener Schlagabtausch, in dem Horchheim schließlich seinerseits davonziehen konnte. Beim 20:16 und wenig später beim 21:17 lag die Zwote plötzlich mit vier Treffern zurück.
Doch genau hier zeigte die Mannschaft eine ihrer großen Stärken an diesem Abend: Sie ließ sich nicht abschütteln.
Anstatt das Spiel aus der Hand zu geben, kämpfte sich die HSV zurück. Treffer für Treffer schmolz der Rückstand, bis beim 21:21 wieder alles offen war. Von da an entwickelte sich eine Schlussphase, die mit geordnetem Handball nur noch bedingt etwas zu tun hatte – dafür aber umso mehr Spannung bot. Beide Mannschaften hatten ihre Möglichkeiten, beide ließen sie liegen. Die HSV ging beim 23:24 sogar noch einmal in Führung, ehe Horchheim zum 24:24 ausglich.
Und dann wurde es endgültig wild.
Die HSV hatte noch die Gelegenheit, erneut vorzulegen, konnte diese aber nicht nutzen. Auf beiden Seiten wurde es hektischer, Kleinigkeiten entschieden über Ballbesitz und Chancen – Tore sollten jedoch keine mehr fallen.
Den Schlusspunkt setzte schließlich eine Szene, die durchaus das Zeug zur „Auszeit der Saison“ hatte: Fünf Sekunden vor dem Ende war die HSV in Ballbesitz und legte die Auszeitkarte. Praktisch im selben Moment ging der Ball verloren. Die Auszeit war jedoch genommen – und so bekam die Zwote noch einmal die Gelegenheit, die letzten Sekunden zu ordnen. Für den Siegtreffer reichte es nicht mehr. Beim 24:24 blieb es.
Ein Ergebnis, über das man sich durchaus ärgern kann. Wer mit vier Toren führt, möchte am Ende zwei Punkte mitnehmen. Wer in derselben Partie später allerdings selbst mit vier Toren zurückliegt und sich wieder vollständig zurückkämpft, kann mit diesem einen Punkt ebenfalls leben.
Und noch etwas machte das Remis besonders: Seit zwei Jahren hatte die Zwote in keinem Spiel mit Harz mehr punkten können. Diese Serie ist nun beendet.
So war das 24:24 am Ende vielleicht für beide Mannschaften ein Punkt zu wenig – und gleichzeitig ein gerechtes Ergebnis eines Spiels, das bis in die letzten Sekunden in beide Richtungen hätte kippen können.
Für die HSV spielten:
Dominik Möhring (Tor), Tobias Montebaur, Sebastian Hauröder (1), Raoul Gärtner (7), Peter Bieg (3), Kai Bonaffini, Franz Bieg, Johannes Umbscheiden (2), Emil Haferkorn (3), Nedzad Ljubijankic, David Schnur, Maximilian Rumpf (4), Jan-Michael Schwarz (4), Andreas Weinschneider.
